04.12.2017 (pm): Chaos in der Steuerbeamtenausbildung ab Februar 2018!?

PRESSE – MITTEILUNG
der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG)
Frankfurt, den 4. Dezember 2017

 

Tag der Ausbildung 2 in Gelnhausen

Chaos in der Steuerbeamtenausbildung ab Februar 2018!?

Ausbildungspläne der Finanzämter werden durch vermutliche Verschiebung der theoretischen Ausbildungsabschnitte über den Haufen geworfen – DSTG Hessen – Panama Papers und Paradies Papers erledigen sich künftig auch nicht von selbst

Seit vergangenem Sommer war klar, dass aufgrund der hohen Einstellungszahlen – 650 Auszubildende zum 01.08.2017 – Kapazitätsprobleme sowohl in den Bildungsstätten als auch in den 35 hessischen Ausbildungsfinanzämtern auftreten würden. Diese werden sich durch die hohen Anwärterzahlen – erforderlich wegen massiver Personaldefizite – für den Doppelhaushalt 2018/2019 mit jeweils 700 ab Sommer 2018 weiter verschärfen.

Auf die gravierenden räumlichen Engpässe am Studienzentrum hatte die DSTG Hessen seit Bekanntwerden der hohen Einstellungszahlen nachhaltig hingewiesen und vorgeschlagen das Kasernengelände am Standort Rotenburg an der Fulda zu erwerben und zur zentralen Aus- und Fortbildungsstätte für die Landesverwaltung auszubauen.

Und nun haben wir das Dilemma. Wie aus gut unterrichtenden Kreisen zu erfahren ist, gibt es derzeit Pläne die berufstheoretischen Ausbildungsabschnitte im Studienzentrum Rotenburg a. d. F. zeitlich um mehrere Monate zu verlegen bzw. die Lehrgänge zeitlich auch zu trennen, um die nahenden Betten- und Lehrsaalprobleme für Anfang 2018 zu lösen.

Der Landesvorsitzende der DSTG Hessen, Michael Volz warnt: „Damit ist die Einheitlichkeit der Ausbildung nach den geltenden Vorschriften für die Steuerbeamten/innen nicht mehr gewährleistet. Die Versäumnisse werden insbesondere auf dem Rücken der Auszubildenden ausgetragen. Man hätte besser einmal auf unsere guten Vorschläge eingehen und unsere jahrelangen Erfahrungen vertrauen sollen. So geht das nicht weiter!“

Dramatisch darüber hinaus: Für die Finanzämter vor Ort bedeutet das letztlich, dass alle in den letzten Monaten erfolgten Planungen für den Einsatz der jungen Anwärterinnen und Anwärter in den berufspraktischen Stationen im Finanzamt über den Haufen geworfen wurden. Die Ausbildungsbereiche in allen hessischen Finanzämtern müssen dann komplett neue Ausbildungspläne für die Praxisphase im Finanzamt entwickeln. Eine gravierende Zusatzarbeit kurz vor dem nahenden Weihnachtsfest – die Grenze der Belastbarkeit ist absolut erreicht.
Wir wollen nicht tiefer hinterfragen, wer diese „logistische Meisterleistung“ abgeliefert hat, denn es gilt nach Lösungen zu streben.

Die DSTG Hessen fordert auf, schleunigst andere alternative Unterbringungsmöglichkeiten in Rotenburg an der Fulda und Umgebung zu suchen, statt an der zeitlichen Abfolge der Berufsausbildung zu drehen.
Wenn alle Stricke reißen, muss auch in Erwägung gezogen werden, ob nicht Co-Learning-Spaces, sprich das nachmittägliche Heimlernen, ermöglicht wird. Die Zahlung von Reisekosten, die der Dienstherr bei diesem Modell zu tragen hat, ist die logische Folge.

Diese Diskussionen führen in allen hessischen Finanzämtern zu unnötigen Unruhen und sind weder im Sinne der Anwärter(innen) noch im Sinne der Ausbildung vor Ort. Wenn das so weitergeht, laufen wir Gefahr, dass die dringend benötigten Nachwuchskräfte bereits in der Ausbildung verloren gehen.

Wir fordern von den Verantwortlichen in Wiesbaden es dem bayerischen Heimat- und Finanzminister nach zu tun und für alle Auszubildenden adäquate und moderne Ausbildungsgegebenheiten am Bildungszentrum und in den Ausbildungsfinanzämtern zu schaffen.

Wie heißt es so schön: Man kann nicht blasen und das Mehl im Maul behalten. Oder sind etwa nur drei große Anwärterlehrgänge vorgesehen? Die Vermutung liegt nahe, da der Minister nach unseren Informationen in den laufenden Haushalten keinerlei bauliche Erweiterungsmaßnahmen am Bildungsstandort Rotenburg an der Fulda vorgesehen hat.

Die politische Grundbotschaften „historisch hohen Anwärterzahlen“ liest sich in diesem Zusammenhang zunächst toll. Hoffen wir nur, dass das Ganze nicht nur mit einem Termin im Oktober/November 2018 in Zusammenhang steht und das HMdF dann wieder historisch stark nachlässt bei den Einstellungen.

Denn es wäre notwendig die personellen Defizite der hessischen Einnahmeverwaltung auch in den Jahren 2020 ff auszugleichen, schließlich erledigen sich Panama Papers, Paradies Papers, Cum Cum und Cum Ex und auch die herkömmliche Arbeit nicht von selbst.

DSTG Hessen: Immer Sinne der Sache, immer im Sinne der Mitglieder und immer im Sinne der Menschen!!!